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Die Glocken von St. Vitus
Aus der Pfarrchronik St. Vitus - Pfarrer Gerhard Harrier

1942 - Ablieferung der Kirchenglocken

Den unerbittlichem Kriege fielen leider auch unsere Kirchenglocken zum Opfer.

Am 23. März wurden zwei Läuteglocken (die eine aus dem Jahre 1640, 117 cm Durchmesser, 913 kg schwer, die zweite aus dem Jahre 1598, 105 cm Durchmesser, 717 kg schwer) und drei Stundenglocken (zwei im Jahre 1938 angeschafft, die dritte größere Stundenglocke aus dem Jahre 1554, 46 cm Durchmesser, 61 kg schwer) also im Ganzen fünf Glocken aus unserer Pfarrkirche und dazu noch zwei Glocken aus Vinnum, von diesen die eine noch kurz vorher angeschafft war, mithin im Ganzen sieben Glocken abmontiert und am 24. März zu einem Sammellager abtransportiert.

Dazu kamen noch die zwei neuen Glocken, die am 4. August 1939 von der Firma Petit und Edelbrock in Gescher gegossen worden waren und noch bei der Firma aufgehängt waren, weil der eiserne neue Glockenstuhl noch nicht geliefert werden konnte. Auch diese Glocken sind, wie ich höre, abgeliefert worden.

Somit hat die Kirchengemeinde Olfen eigentlich neun Glocken abgeliefert. Von allen vorhandenen Glocken ist nur eine Läuteglocke geblieben. Als Stundenglocken wurde bei der Firma Petit und Edelbrock zwei neue Glocken aus Zinklegierung bestellt und wieder aufgehängt.

1945 - Rückführung der Kirchenglocken

Am 9. Mai wurden 5 von den abgelieferten Kirchenglocken vom Sammellager in Lünen wieder zurückgeholt.

Die beiden Stundenglocken wurden wieder aufgehängt, ebenso auch die eine große Glocke.

Die zweite größere Glocke wurde mit bereits zerschlagenem Glockenmaterial, das wir in Lünen käuflich erworben hatten, nach Gescher gebracht, um hier zu zwei neuen Glocken nach dem Muster der im Jahre 1938 gegossenen Glocken umgegossen zu werden.
Diese beiden neuen Glocken wurden dann am 6.11. 1945 gegossen und stehen jetzt fertig in Gescher. Hoffentlich finden sie nun bald den Weg nach Olfen.

Die fünfte Glocke, die von Lünen wiedergeholt wurde, ist die frühere Stundenglocke, die älteste von allen Glocken. Sie steht augenblicklich mit den zwei Stundenglocken, die als Ersatz für die im Jahre 1938 abgelieferten Stundenglocken angeschafft wurden, unbenutzt im Turm.

Für unsere Pfarrgemeinde war das Fest Christi Himmelfahrt, der 30. Mai 1945, ein bedeutungsvoller Tag.
Die zwei am 6. November von der Glockengießerei Petit und Gebrüder Edelbrock in Gescher umgegossenen Glocken hatte der Milchbauer Pieper in der Feldmark am Tage vorher zusammen mit dem neuen eisernen Glockenstuhl von Gescher auf zwei Lastautos nach Olfen transportiert und bei Himmelmann in Rechede untergestellt.

Der Wagen mit den beiden neuen Glocken wurde von den Nachbarmädchen mit Girlanden und Kränzen geschmückt und von dem Bauer Schulte im Busch, mit zwei schwarzen Rappen bespannt, an dem Nachmittage des Christi Himmelfahrtsfestes bis bei Dr. Reinholds Wohnung gebracht. In feierlicher Prozession wurden von dort die Glocken zur Kirche gefahren. Hier fand dann die feierliche Glockenweihe statt.

hölzerner Glockenstuhl wird ersetzt

Am Tage nach Christi Himmelfahrt begann man mit dem Abbruch des alten hölzernen Glockenstuhles. Am Mittwoch waren diese Arbeiten so weit vollendet, dass die neuen Glocken hochgezogen werden konnten.

Am Donnerstagabend, am Vorabend von Herz - Jesu - Freitag, fand das erste Probeläuten aller vier Glocken statt. Ganz Olfen stand vor den Häusern und lauschte ergriffen den herrlichen Klängen. Wie Friedensgesang tönte es vom Kirchturm herab. Vielen Leuten standen die Tränen in den Augen.

Das Probeläuten musste dann aber wieder eingestellt werden, da der hölzerne Unterbau des neuen Glockenstuhls nicht fest genug verankert war. Nachdem auch das geschehen war, konnte am Freitagnachmittag ein neues halbstündiges Probeläuten stattfinden.

In den folgenden Wochen gelang es dann endlich der Firma Diegner & Dr. Schade in Dorsten das elektrische Glockengeläute in Ordnung zu bringen, so dass wir jetzt endlich ein Glockengeläute besitzen, das alle Olfener erfreut.

 


2002 - Pfarrer Bernd de Baey

Die größte Glocke ist die Totenglocke, die den Namen Herz-Jesu trägt und 1945 neu gegossen wurde. Sie wiegt etwa 2 t.

Die zweite Glocke ist die Paulus-Glocke aus dem Jahre 1640. Sie trägt eine sehr schöne Verzierung und Inschrift, die übersetzt in etwa so lautet:
Wulf zu Füchteln und Davensberg, Ascheberg, Rauschenburg, Friedach zu Sandfort und Rechede; wiederhergestellt im Jahre des Herrn 1640 durch Pastor Arnold Erlenwein und dem Gießer Claudius Lamiral, Gott bewahre mich. Heiliger Paulus, Patron des Vaterlandes.
Die Glocke wiegt etwa 870 kg.

Glocke III ist die Vitus-Glocke. Die ist 1945 aus einer sehr alten Glocke neu gegossen worden, da diese Vorgängerglocke vom Ton her nicht in das Geläut passte. Man hat allerdings die alte Glockeninschrift und die alte Glockenzier auf die neue Glocke wieder aufzubringen versucht. Somit hat diese Glocke folgende Inschrift (übersetzt):
Heiliger Vitus ist mein Name. Ich rufe in Gottes Namen alle zusammen. Peter Nelman von Soest hat mich im Jahr 1598 gegossen.“
In neuer Inschrift steht auf der Glocke zudem:
Umgegossen im Jahr 1945 von der Firma Petit und Gebrüder Edelbrock, Gescher.“

Die vierte Glocke ist die Salvatorglocke aus dem Jahre 1654. Ihre Inschrift lautet (übersetzt):
Heiland der Welt bewahre uns. Pastor Hermann Isvordinck hat mich gemacht. Johannes Parwiss hat mich gegossen im Jahre 1654.“
Die Glocke ist reich verziert mit verschiedenen abstrakten Ornamenten.

Die Glocken hängen seit 1945 in einem Stahlglockenstuhl, der auf dem alten hölzernen Glockenstuhl aufruht. Möglicherweise werden in der nächsten Zeit die stählernen Glockenjochen durch hölzerne Glockenjochen ersetzt, um den Klang der Glocken weicher zu gestalten.

Die Schallluken des Turmes werden erneuert und verkleinert, damit sich der Glockenklang bei vollem Geläut in Zukunft besser mischen wird und damit ein noch volleres und wohltönenderes Bild entsteht.

 


 

Glocken werden funkgesteuert ...

Klangdatei der Krchenglocken ...